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Hund

 

 

KASTRATION HÜNDIN

KASTRATION – STERILISATION: WAS IST DAS?

Unter Kastration versteht man die Entfernung des Keimgewebes, also der Hoden beim männlichen Tier bzw. der Eierstöcke beim weiblichen Tier. Eine Sterilisation bedeutet die Unterbindung der Fruchtbarkeit. Bei weiblichen Tieren werden die Eileiter durchtrennt, bei männlichen Tieren die Samenleiter. Die Tiere können sich so zwar nicht mehr fortpflanzen, der Sexualtrieb ist aber unverändert. Hündinnen werden also weiterhin läufig, können aber nicht tragend werden. Bei der Kastration werden die Eierstöcke und eventuell ein Teil oder die gesamte Gebärmutter entfernt. Werden nur die Eierstöcke entfernt, spricht man von der Ovarioektomie, bei der Entfernung von Eierstöcken und der gesamten Gebärmutter von der Ovariohysterektomie.

Bei der routinemäßigen Kastration einer gesunden Hündin werden nur die Eierstöcke entfernt, da es laut wissenschaftlichen Untersuchungen keinen Grund gibt, die Gebärmutter ebenfalls zu entfernen. In Folge der Kastration hat die Hündin keinen Zyklus mehr – sie wird nicht läufig und kann keine Welpen mehr haben.

DER ZYKLUS DER HÜNDIN

Im Durchschnitt wird eine Hündin alle 7 Monate läufig. Die rassespezifischen Unterschiede sind sehr groß (DSH z.T. alle 4 Monate läufig, Basenji alle 11 Monate). Nach dem siebten Lebensjahr verlängert sich das läufigkeitsfreie Intervall und die Wurfgröße in diesem Alter nimmt ab. Gesunde Hündinnen werden ihr Leben lang läufig. Die Zeit der Läufigkeit ist bei manchen Hündinnen für das Tier und den Besitzer sehr anstrengend. Die Läufigkeit dauert insgesamt ca. 3 Wochen, wobei die letzten Tage (häufig ohne Blutungen) die „gefährlichen“ Tage sind, an denen die Hündin gedeckt werden kann. Dieser Phase folgt der sogenannte Diöstrus, in der die Hündin einen trächtigkeitsähnlichen Hormonverlauf durchmacht. Zum Ende des Diöstrus werden einige Hündinnen scheinträchtig – ein an sich physiologischer Zustand, der zur Milchbildung und psychischen Veränderungen (z.B. Nestbauverhalten, übermäßige Fürsorge für die vermeintlichen Welpen) führt. Ursprünglich diente die Scheinträchtigkeit, oder besser Lactatio sine graviditate also Milchbildung ohne Trächtigkeit, dem Erhalt des Rudels. Im Wolfsrudel wird nur die alpha-Hündin gedeckt. Da aber alle Hündinnen des Rudels scheinträchtig werden, können sich die Hündinnen gemeinschaftlich um die Welpen kümmern. Die alpha-Hündin kann so ihren „Führungsaufgaben“ nachkommen.

WARUM KASTRIEREN?

Der Hauptgrund für eine Kastration ist es, die Fortpflanzungsfähigkeit bzw. den Fortpflanzungstrieb zu unterbinden. Die Kastration hat aber auch weitere Gründe. Einige Überlegungen sind im Folgenden aufgeführt.

Soziale Problematik: Läufige Hündinnen locken Rüden an. D.h. im Extremfall wird ihre läufige Hündin (bzw. Ihr Wohnhaus) während der Läufigkeit von Rüden als hoch attraktiv empfunden und dementsprechend „belagert“. Da auch Ihre Hündin während der Läufigkeit deckbereit ist, besteht das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit.

Einige Hündinnen sind während der Läufigkeit sehr unsauber, d.h. sie bluten so stark, dass es schwierig ist Teppichböden u.ä. sauber zu halten. Mit geeigneten Höschen ist diese Problematik allerdings bei den meisten Hündinnen kontrollierbar.

Das Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken ist bei kastrierten Hündinnen, die vor der 2. Läufigkeit kastriert wurden, signifikant geringer als bei unkastrierten Hündinnen. D.h. eine frühkastrierte Hündin erkrankt äußerst selten an Gesäugetumoren. Statistisch gesehen sieht es wie folgt aus: Hündinnen, die vor der ersten Läufigkeit kastriert werden, entwickeln in ca. 2% Gesäugetumoren. Bei Hündinnen, die nach der ersten aber vor der zweiten Läufigkeit kastriert werden, steigt das Risiko auf 8%. Nach der zweiten Läufigkeit steigt das Erkrankungsrisiko auf 25% und nach der dritten Läufigkeit ist statistisch gesehen keine Beeinflussung der Tumorbildung feststellbar. Eine kastrierte Hündin kann keine Gebärmuttervereiterung (Pyometra) bekommen. Kastrierte Hündinnen erkranken außerdem deutlich seltener an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Eine häufige Sorge der Tierbesitzer ist die Veränderung des Wesens. I.d.R. werden kastrierte Hündinnen allerdings eher positiv durch die Kastration beeinflusst. Die meisten kastrierten Hündinnen bleiben etwas verspielter (kindlicher) und ausgeglichener als unkastrierte Hündinnen. Kastrierte Hündinnen sind nicht temperamentloser oder bewegungsunlustig.

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN DER KASTRATION

Zunächst sei gesagt, dass ein gesundes Tier selbstverständlich nicht unnötigerweise einer Operation ausgesetzt werden sollte. Daher gilt es, sich gut zu überlegen, ob eine Kastration sinnvoll ist. Das Narkoserisiko bei einer jungen, gesunden Hündin ist allerdings gering. Einige Hündinnen, v.a. langhaarige Rassen, wie z.B. Irish Setter, Afghanen, Cocker Spaniel etc. bekommen nach der Kastration ein sogenanntes Babyfell. Das ist ein vor allem an den Beinen und Ohren wachsendes dünnes, sehr weiches Fell. Bei einigen Rassen ist das Babyfell optisch störend. Gesundheitlich spielt es selbstverständlich keine Rolle. Seltener werden kastrierte Hündinnen harninkontinent. Diese Inkontinenz tritt i.d.R. erst Monate bis Jahre nach der Kastration auf. Die Ursache ist bisher nicht vollständig geklärt. Die meisten der harninkontinenten Hündinnen lassen sich mit Tabletten und/oder Akupunktur zufriedenstellend therapieren. Eine dauerhafte Therapie ist bei diesen Hündinnen allerdings notwendig. Viele Besitzer sind besorgt, dass ihre Hündin nach der Kastration an Gewicht zunimmt. Kastrierte Hündinnen neigen ebenso wie läufigkeitsunterdrückte Hündinnen dazu dicker zu werden. Bei einer bedarfsgemäßen Fütterung bleibt Ihre Hündin aber schlank. Wir beraten Sie gerne, wie Sie Ihre kastrierte Hündin ernähren sollten.

FRÜHKASTRATION

Die Frühkastration bedeutet die Kastration vor der Geschlechtsreife, d.h., vor der ersten Läufigkeit. Wie oben erwähnt, verringert sich bei der Frühkastration das Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken signifikant. Laut Studien zeigen manche Hündinnen nach der Frühkastration ein verändertes Sozialverhalten. Vermutet werden Trennungsängste und verändertes Angst- und Fluchtverhalten. Das Auftreten von Harninkontinenz soll zwar seltener, bei Auftreten jedoch bedeutend ausgeprägter und somit schwieriger zu behandeln sein. Leidet die Hündin unter einer Jungtiervaginitis (Scheidenentzündung), so besteht das Risiko, dass dieser Zustand durch die Frühkastration chronisch wird.

MEDIKAMENTÖSE LÄUFIGKEITSUNTERDRÜCKUNG

Die Läufigkeitsunterdrückung durch Hormonspritzen bietet keine gute Alternative zur Kastration. Die Hündin muss natürlich nicht operiert werden, die Kosten übersteigen allerdings bei regelmäßiger, lebenslanger Läufigkeitsunterdrückung die Operationskosten. Weiterhin erhöht die medikamentöse Läufigkeitsunterdrückung das Risiko für Ihre Hündin an Gesäugetumoren zu erkranken, Gebärmutterveränderungen und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) zu bekommen. Nicht selten führt die Läufigkeitsunterdrückung schließlich doch noch zur Kastration, allerdings unter wesentlich ungünstigeren Voraussetzungen, nämlich auf Grund einer Gebärmuttervereiterung.

FAZIT

Dass eine Hündin einmal im Leben Junge bekommen sollte, ist übrigens ein Ammenmärchen. Ob Ihre Hündin kastriert werden sollte oder nicht, ist eine ganz individuelle Entscheidung. Diese Information soll Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen. Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an das Praxisteam.

 

KASTRATION RÜDE

KASTRATION – STERILISATION: WAS IST DAS?

Unter Kastration versteht man die Entfernung des Keimgewebes, also der Hoden beim männlichen Tier bzw. der Eierstöcke beim weiblichen Tier. Eine Sterilisation bedeutet die Unterbindung der Fruchtbarkeit. Bei weiblichen Tieren werden die Eileiter durchtrennt, bei männlichen Tieren die Samenleiter. Die Tiere können sich so zwar nicht mehr fortpflanzen, der Sexualtrieb ist aber unverändert. Der Rüde ist zwar nicht mehr zeugungsfähig, hat aber nach wie vor einen ungebremsten Fortpflanzungstrieb. Deshalb wird beim Rüden eine Kastration durchgeführt.

WARUM KASTRIEREN?

Der Hauptgrund für eine Kastration ist es, die Fortpflanzungsfähigkeit bzw. den Fortpflanzungstrieb zu unterbinden. Die Kastration hat aber auch weitere Gründe. Manche Rüden haben häufig wiederkehrende Vorhautvereiterungen (Präputialkatharrh), die durch Belecken aufrechterhalten werden. Rüden die in der Nachbarschaft vieler Hündinnen wohnen, finden in der Zeit der Läufigkeiten dieser Hündinnen manchmal keine Ruhe. Zum Teil bringen die Rüden sich und andere in Gefahr, da sie, um zur Hündin zu gelangen, blind über die Straße laufen. Auch Hypersexualität, z.B. Bespringen anderer Hunde und Menschen, kann ein Grund für eine Kastration sein. Manche Erkrankungen wie z.B. Prostataerkrankungen, Perninealhernien oder Hodentumoren u.a. machen eine Kastration aus medizinischer Sicht notwendig.

WIE VERÄNDERT DIE KASTRATION MEINEN HUND

Einige Rüden sind aggressiv gegenüber anderen Rüden oder auch Menschen. Unkastrierten Rüden fällt es manchmal schwerer sich unterzuordnen. Eine Kastration ist aber keine Verhaltenstherapie. Schlechte Angewohnheiten können nicht durch die Kastration behoben werden. Um diese abzustellen, sollten Sie ein gezieltes Hundetraining mit Ihrem Rüden absolvieren. Rüden werden durch die Kastration auch nicht ruhiger. Ein quirliger Jack Russel Rüde ist nach der Kastration nicht ruhig und folgsam. Denken Sie daran, dass sie Rasse- und Charaktereigenschaften Ihres Hundes nicht durch die Kastration beeinflussen können. Kastrierte Rüden neigen etwas eher dazu Fett anzusetzen. Dem können Sie als Besitzer entgegensteuern, indem Sie weiterhin viel mit Ihrem Hund spazieren gehen, spielen, Sport treiben und die Futterration an die Bewegung und den Bedarf anpassen. Wir beraten Sie gerne, welche Ernährung für Ihren Hund die geeignete ist.

WANN SOLLTE MEIN RÜDE KASTRIERT WERDEN?

Je nach Größe und Rasse wird ein Rüde in unterschiedlichem Alter geschlechtsreif. Es gibt keinen Grund einen Rüden besonders frühzeitig zu kastrieren, sinnvoll ist die Kastration, wenn Sie merken, dass Ihr Rüde negative Eigenschaften oder Angewohnheiten ausbildet, die auf seinen Sexualtrieb zurückzuführen sind. Dies kann z.B. ständiges Fortlaufen auf Grund läufiger Hündinnen sein, oder das Bespringen von Personen. Besonders, wenn Kinder zusammen mit dem Rüden aufwachsen, ist es möglich, dass der Rüde Schwierigkeiten hat sich in das „Familienrudel“ einzuordnen. Der Zeitpunkt der Kastration sollte demnach von Ihnen bestimmt werden. Warten Sie allerdings nicht zu lange, wenn sie die beschriebenen Auffälligkeiten beobachten. Je älter ein Rüde zum Zeitpunkt der Kastration ist, desto weniger wahrscheinliche ist es, dass er seine Angewohnheiten wieder ablegt.

WAS MUSS ICH ALS TIERBESITZER BEACHTEN?

Sie bringen Ihren Rüden am Tag der Kastration zum vereinbarten Termin in unsere Praxis. Zuvor darf er zwölf Stunden nichts fressen – trinken darf er. Etwa drei Stunden nach der Abgabe können Sie Ihren Rüden wieder abholen. Er hat einen Schnitt vor dem Hodensack, über den die Hoden entfernt wurden. Am Tag der Operation gilt: Gehen Sie mit Ihrem Hund nur kurz raus, damit er Urin und eventuell Kot absetzen kann. Leinen Sie Ihren Hund bitte an, da er auf Grund der Narkose eventuell untypisch reagiert und nicht wie gewohnt gehorcht. Ihr Hund braucht an diesem Tag Ruhe und Wärme. Trinken sollte zur Verfügung stehen, fressen darf Ihr Hund erst am nächsten Tag oder spät abends am Operationstag. Ihr Rüde hat keine Schmerzen, da er von uns mit Schmerzmitteln versorgt wird. Damit Ihr Hund nicht an der Wunde leckt, sollte er, wenn er alleine ist und nachts einen Halskragen oder eine „Hose“ tragen. Einen Tag nach der Operation stellen Sie Ihren Hund bei uns zur Nachuntersuchung vor. Wir überprüfen, ob Ihr Tier die Narkose und die Operation gut überstanden hat. Zehn Tage nach der Operation werden von uns die Fäden gezogen. Damit ist die Kastration abgeschlossen. Wenn Sie weitere Fragen haben, beantworten wir Ihnen diese gerne!